Dienstag, 3. Februar 2004
Zehn Mal so viele Versuche / 11.100 Selbstmorde im Jahr
Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland ist in den vergangenen 20 Jahren um
40 Prozent gesunken, liegt aber noch immer deutlich höher als die Zahl
der Verkehrstoten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts nahmen sich im
Jahr 2002 rund 11.100 Menschen in Deutschland das Leben . 1982 waren es noch
18.700. Zum Vergleich: 2002 kamen bei Verkehrsunfällen 6.842 Menschen
ums Leben.
Nach Ansicht von Prof. Armin Schmidtke von der Deutschen Gesellschaft für
Suizidprävention (DGS) ist der Rückgang vor allem auf bessere Hilfsangebote
zurückzuführen. "Außerdem ist das Thema nicht mehr so
tabuisiert wie noch in den 70er Jahren", sagte der Psychologe. "Die
Zahl ist aber immer noch zu hoch."
Schmidtke verwies darauf, dass es jedes Jahr zwischen 100.000 und 200.000 Selbstmordversuche
in Deutschland gebe. Experten schätzen, dass es bei Einwanderern der zweiten
Generation, etwa jungen Türkinnen in Deutschland, überdurchschnittlich
viele Selbstmorde gebe. Soziale Ausgrenzung spiele dabei eine große Rolle.
Der Anteil der männlichen Suizidopfer stieg seit 1982 nach Angaben des
Statistischen Bundesamts in den vergangenen 20 Jahren von 66 auf 73 Prozent.
Das Durchschnittsalter der Selbstmörder hat sich zwischen 1982 und 2002
um 3 auf 54 Jahre erhöht, wobei die Frauen mit 59 Jahren im Schnitt deutlich
älter waren.
Bei bis zu 80 Prozent der Fälle seien psychische Krankheiten, oft Depressionen,
die Ursache für Selbstmorde. Die Menschen wollten meist eigentlich weiterleben,
sähen aber keinen anderen Ausweg, sagte Schmidtke.
Selbstmordrisiko (16.03.2003)
Kinder allein erziehender Elternteile unternehmen doppelt so häufig Selbstmordversuche,
verletzen sich oder werden drogenabhängig. Das ergab eine umfangreiche
schwedische Studie. Das verdoppelte Selbstmord- und Drogenrisiko bleibt auch
bestehen, wenn man nur Kinder in ähnlichen sozialen und ökonomischen
Verhältnissen vergleicht, schreibt die Studienleiterin Gunilla Ringbäck
Weitoft in dem Fachmagazins "The Lancet". Die Forscherin der schwedischen
Nationalen Gesundheitsbehörde hatte Todesstatistiken und Krankendaten
von Kindern aus den 90er Jahren verglichen. Insgesamt gingen in die Studie
Daten von 65 000 Kindern allein erziehender Eltern und 920 000 Kindern aus
Haushalten mit zwei Elternteilen ein. Die Gründe für die Unterschiede
in den Lebenswegen der Kinder konnte die Studie nicht klären. Für
Ringbäck Weitoft ist jedoch nahe liegend, dass allein erziehende Elternteile
weniger Zeit und Geld für familiäre Dinge haben und die Kinder daher
oftmals problembeladener aufwachsen.