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Zum Leben überreden? |
rebecca
Mitglied
 
Dabei seit: 05.11.2009
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Hallo,
ich schreibe, weil ich nicht mehr weiß, wie ich meinen Freund zum Leben überreden soll. Er spricht seit seit vielen Monaten schon davon, dass er nicht mehr leben will, in den letzten Monaten sind seine Tiefphasen heftiger geworden und nach ein paar guten Wochen, in denen es schien, als obs bergauf geht, ist er nun in seinem tiefsten Tief.
Konkret heißt das: er sagt so Sachen wie "Morgen ist die Qual endlich vorbei!" oder "Das wars, ich mach das nicht mehr mit, ich habe keine Lust mehr!"
Seine Situation ist folgende:
Seit 1 1/2 Jahren ist mein Freund körperlich krank und wir finden keine effektive Heilungsmöglichkeit, die wir bezahlen können. Die Krankheit ist für andere sichtbar, was ihm den Alltag massiv erschwert. Vor allem die körperliche Erkrankung und die fehlende Hoffnung auf Heilung, sowie sein Erleben der WElt voller egoistischer Menschen und Ungerechtigkeiten, lassen ihn keine Perspektive sehen. Er fragt mich immer wieder: FÜR WAS LOHNT SICH DAS DURCHHALTEN? Und ich habe ihm so viele Zukunftspläne aufgezählt, ich wiederhole mich inzwischen nur noch in völliger Verzweiflung.
Ich kann seinen Frust verstehen, aber ich will ihm auch klar machen, dass das Durchhalten sich lohnt.
Er war sogar schon beim Psychotherapeuten, aber da bekommt er erst in 4 Monaten die Therapie. Das ist zu doch zu lange... In die Psychiatrie will er auch nicht einfach so, was ihm das alles verbaut, wenn das aktenkundig wird... Ich kann alles seine Einwände und den Frust verstehen. Aber wie kann ich ihm trotzdem zum Überlebenswillen bewegen???
Ihn einfach alleine darum kämpfen lassen, wo er doch keine Kraft mehr hat - wie soll das gehen????
Ich bin inzwischen von einer tiefsitzenden Panik erfüllt, er könne sein Vorhaben wirklich "morgen" umsetzen... Ein normales Leben ist für mich fast nicht mehr möglich... natürlich gehe ich weiter meinen Aufgaben nach, aber eher auf einem Niveau "den Umständen entsprechend"...
Ein für mich völlig unverständlicher Teil seiner Depression ist sein unglaubliches Schwanken: von jetzt auf Nachher kann er so tief fallen und dann 1 h später wieder die Zukunft planen. Ich dreh schon am Rad - was soll ich denn nun ernst nehmen???
Ist "einliefern lassen" die einzige Möglichkeit, ihn zu retten- das kann doch nicht sein...
Ich würde mich sehr über Antworten freuen. Auch von Euch, die ihr selbst in einer Partnerschaft seid und Suizidgedanken habt oder euer Partner. WIe geht ihr damit um? Woher bekommt ihr Kraft? Wie schätzt ihr die Gefahr ein??? vor allem die letzte Frage treibt mich um!!!
vielen Dank schonmal für Eure Antworten. Ich brenne darauf.
rebecca
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05.11.2009 19:55 |
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noyée

Mitglied
 

Dabei seit: 22.12.2008
Herkunft: Aus dem Wasser
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Liebe rebecca,
dein Thema hat mich sehr berührt. Ich finde es gut, dass du hier deine Bedenken äußerst und dich jemandem mitteilst, denn alleine das Wissen zu tragen, dass sich ein geliebter Mensch umbringen möchte...das ist eine unerträgliche Bürde.
Darum zunächst Folgendes: in jeder Stadt gibt es eine Beratungsstelle. Ich bitte dich, bei einer zu melden und dir dort Unterstützung zu suchen. Solch eine Situation "alleine" auszuhalten kann für einen einzelnen Menschen zu viel sein und du schreibst selbst, dass du deine Aufgaben nur "den Umständen entsprechend" erledigst. Darum: hol auch du dir Hilfe, bitte! Bei Beratungsstellen kriegt man relativ schnell einen Termin (zwischen einer und vier Wochen Wartezeit), kann anonym bleiben, ist nicht verpflichtend, geht nicht über die Krankenkasse - kann aber ungemein helfen.
Auch wenn es ihm dreckig geht - Suizidankündigungen sind die krasseste und schmerzhafteste Form der emotionalen Erpressung. Es ist offensichtlich, wie verzweifelt du bist und dass dich das mitnimmt, darum finde ich es primär erstmal wichtig, dass du die Verantwortung an einen Profi abgibst. Sonst zerbrichst du daran. Diese Last ist zu groß, ich glaube nicht, dass ein Mensch sie ohne "Schaden" tragen kann. Sorge bitte für dich, ja?
Zu deinem Freund: Ja, ich würde ihn einweisen lassen. Bzw. ich würde zur Beratungsstelle gehen, dort die Dringlichkeit deines Anliegens klar machen und dir zusätzlich einen profesionellen Rat einholen, denn eine Einweisung ist kein Kinderspiel... Ich weiß nicht, ob es Auswirkungen haben kann auf einen späteren Arbeitsplatz - aber von welchem Arbeitsplatz reden wir, wenn er sich umbringt? Generell bin ich der Meinung, dass eine Einweisung sicherer und besser ist. Zum Einen für den Betroffenen, zum Anderen für den Angehörigen, der ja eine unglaubliche Verantwortung trägt, sobald der Suizidgedanke ausgesprochen ist. Sollte es richtig akut werden - d.h., sobald er konkrete Methoden erwähnt - würde ich gar nicht mehr zögern, sondern sofort bei der Polizei oder beim Notruf anrufen.
Alles Liebe dir, achte auf dich
n.
__________________ du trauerst.
und dann blickst du nach vorn.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von noyée: 05.11.2009 20:52.
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05.11.2009 20:50 |
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Talitha

Mitglied
 
Dabei seit: 01.10.2007
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Die bittere Wahrheit zuerst: Du wirst ihn nicht retten können!
Wenn er wirklich sterben will, kannst du es nicht verhindern!
Du kannst für ihn da sein und du kannst ihn unterstützen und begleiten, aber den Kampf muss letzlich ER führen. Ich weiß, dass das verdammt hart ist, aber beschönigende Lügen helfen dir auch nicht.
Vor allem musst du für dich Sorgen und auf dich selber aufpassen! Das wenige, was du wirklich für ihn tun kannst, setzt voraus, dass du für dich noch dein Gleichgewicht halten kannst und er dich nicht mit hinab reißt.
Hast du für dich irgendeine Unterstützung? Freunde? Familie? Versuch auch professionelle Unterstützung für dich zu finden.
Ich weiß, dass es lange dauern kann auf einen Therapeutentermin zu warten. Versucht alle Möglichkeiten zu nutzen, ggf. bei mehren Therapeuten gleichzeitig anmelden. Gibt es eine Beratungstelle / Krisenberatung / Psychiatrische Krisenstation bei euch in der Nähe zu Überbrückung?
Unter Umständen bekommt dein Freund schneller einen Termin bei einem Psychiater. Antidepressiva sind keine Dauerlösung, aber sie können die Zeit bis zu einer Therapie überbrücken oder auch eine Therapie erleichtern.
Und was heißt, er hat Angst davor, dass es aktenkundig wird? Man kann eine Menge Gründe für Lücken im Lebenslauf finden, schließlich haben Arbeitgeber keinen Einblick in irgendwelche Krankenakten.
Vielleicht kannst du auch hier noch mehr von dir und deinem Freund schreiben. Was für eine Krankheit erhat, wie ihr lebt (Arbeit, Familie).
Es gibt nicht so viel, was wir dir raten können, aber manchmal hilft schon das Schreiben und der Austausch um ein bisschen Entlastung zu finden und Kraft zu tanken.
Wie groß das Risiko für deinen Freund ist, kann dir auch keiner von uns sagen. Wenn du wirklich akut Angst hast, bleibt dir evtl. nur der Schritt ihn einweisen zu lassen.
Bei aller Vorsicht einer solchen Einschätzung: wenn er sehr oft konkrete Suzidgedanken geäußert hat und bis jetzt keinen Suizidversuch unternommen hat, kann es ein Alarmzeichen sein, wenn er plötzlich gar nicht mehr davon redet (kann aber muss nicht).
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05.11.2009 21:06 |
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rebecca
Mitglied
 
Dabei seit: 05.11.2009
Themenstarter
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Hallo talitha und noyee,
vielen vielen Dank für Eure schnellen Antworten. Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich hier wirkliche Unterstützung finden kann!
Euren Rat, zu einer professionellen Anlaufstelle zu gehen, hatte ich schon vorher angepeilt, mein Termin steht bereits für nächste Woche.
Ich habe Angst, dass es da schon zu spät ist, ehrlich gesagt.
Ausserdem bin ich schon seit 1,5 Jahren in Psychotherapie, sonst hätte ich längst keine Kraft mehr.
Bzgl. der Anlaufstelle für meinen Freund: Es gibt hier zwar den wunderbaren Service, dass man sich Nummern von Therapeuten mit freien Plätzen geben lassen kann, d.h. er könnte sofort anfangen. Aber mein Freund will das nicht nutzen, weil er zum einen sagt, dass er "das Prinzip Psychotherapie" durchschaut und er zu intelligent dafür sei, und dass ihm das deshalb nichts bringen würde. Zum anderen denkt/sagt er, die Therapeuten haben nur deshalb freie Plätze, weil sie 'schlechter' wären. Manchmal sage ich ihm, wenn er das so totdiskuttiert, dass er sich garnicht helfen lassen will.... aber ich komme nicht an ihn ran, wenn es ihm schlecht geht.
Ich frage mich, ob es Sinn macht, in solchen Tiefphasen pausenlos auf ihn einzureden. Oder ob ich nicht besser nach neuen Heilungsmethoden suche oder mich selbst schütze, indem ichmich einfach zurückziehe. Aber in solchen Momenten denke entweder ich: Es könnte die letzte Chance sein, ihm Mut zu machen. Oder er selbst sagt: Nicht mal jetzt stellst du dich der Diskussion, es könnte unsere letzte sein.
Auch seine Eltern habe ich vor ein paar Monaten informiert, sie sind mir sehr dankbar dafür und es gab schon ein großes Familiengespräch, sie haben ihm dringend zu einem Klinikaufenthalt geraten.
Das entscheidende Problem bei der Unterstützung, die seine Eltern und ich ihm gebenwollen ist: mein FReund sagt, es gehe jetzt nur darum, seine körperliche Krankheit zu heilen. Solange die nicht geheilt wird, bringe keine einzige psychologische Unterstützung etwas.
Ich und seine Eltern sagen aber: sein Umgang mit seiner Krankheit muss/kann auch verändert werden. Das will mein Freund nicht. Er sagt: er will die KRankheit nicht akzeptieren und deshalb auch nicht mir ihr umgehen wollen. ER will einfach geheilt werden.
Das blöde ist: Eine Reihe von Schulmedizinern und inzwischen auch ein Heilpraktiker kommen zu keinen Ergebnissen wo der Auslöser für seine KRankheit liegen könnte. Uns fehlen auch die finanziellen Mittel, unendlich viel andere Ärzte und Heilmethoden auszuprobieren.
Es handelt sich um eine Hautkrankheit,die an Kopf/Gesicht sichtbar und am ganze Kopf schmerzhaft ist. Zudem kommen die Reaktionen auf die äusserlich sichtbaren Symptome. Er muss regelmäßig vor größeren GRuppen stehen und sie anleiten. DA ist er ständig der Situation ausgestezt, dass seine Krankheit bemerkt und als absoßend empfunden werden könnte. So eine Situationa auf Dauer kann kein Mensch aushalten. Dass er keine Kraft mehr hat, ist keien WUnder.
Aber er will keine Psychopharmaka schlucken, weil es Selbsbetrug sei. Wir haben wirklcih schon alles durchgespielt... er will nichts ausser körperliche Gesundheit anstreben.
Mein Freund sagt, er habe keine Hoffnung mehr. Die finanzielle, gesundheitliche und beruflichen Situationen werden nicht viel besser - man müsse sich in dieser Welt verbiegen, wenn man nicht völlig ausgestoßen werden will.
Er sagte vor ein paar Tagen auch: Die Entscheidung sei gefallen, er fühle nichts dabei, was er seltsam fände. Aber gleichzeitig sei es auch sehr befreiend. Dann habe ich mit ihm wieder lange geredet.
Aus Fachliteratur weiß ich, dass schlechtes Gewissen gegenüber den Nächsten Gift für Depressive ist. Aber ich muss nunmal jeden Tag heulen, wenn er wieder sagt, er will sein LEben beenden...
Meine beste Freundin hat den Kontakt zu mir abgebrochen, weil sie nicht verstehen kann, "wie ich mir das antun könne; Warum ich mich der Situation aussetzte und warum ich bei meinem Freund bleibe auch wenn er aufgrund seiner verschlechterten Situation auch zunehmend sehr unschön mit mir umging". Vielleicht habe ich ihn zuviel entschuldigt. Und vll. auch nur noch von diesem Problem geredet. Aber ich dachte, meine beste Freundin ist für mich da, wenn es mir am schlechtesten geht. sie sagt, sie muss sich nun selbst schützen und bricht deshalb den Kontakt ab. Dass meine Freundin mich allein lässt, hat mich wirklich sehr getroffen.
Aber ich bereue nicht, dass ich bei ihm bin und ihn nicht auch noch allein lasse. Ich sehe noch Hoffnung und solange bleibe ich.
Ich muss jetzt leider los, aber Talitha du hast recht: von der seele schreiben hilft schon sehr.
Auf Eure Antworten brenne ich nachwievor!!
rebecca
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06.11.2009 10:06 |
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howl
Mitglied
 
Dabei seit: 01.07.2008
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ich weiss nicht genau, ob es dafuer einen psychologischen begriff gibt, aber ich nenne das, was du ueber dich schreibst, co-depression. das ist wie bei einer co-abhaengigkeit, wie man sie bei partnern von alkoholkranken oder drogenabhaengigen menschen findet, eine verhaltensweise, die der krankheit des partners in gewisser hinsicht tuer und tor oeffnet. nicht nur, dass du aufopfernd fuer ihn da bist, du entschuldigst ihn sogar anderen gegenueber und setzt deine eigenen sozialen kontakte aufs spiel.
das ist nachvollziehbar und passiert vielen menschen, ist aber ein schritt in die falsche richtung. im uebrigen hilft es auch deinem freund nicht.
du solltest meiner ansicht nach ganz klare grenzen ziehen und ihn nicht zu sehr in schutz nehmen. leider ist natuerlich das risiko da, dass er ernst machen koennte. aber das kannst du in letzter konsequenz, wie talitha schon sagt, sowieso nicht verhindern.
mein erster gedanke im zusammenhang mit der gesundheitlichen problematik ist freilich eine psychosomatische klinik gewesen. das ist keine psychiatrie im eigentlichen sinne, es hat eher ein bisschen was von einer kur und kann sehr erholsam sein. es koennte dazu fuehren, dass zum einen zusammenhaenge zwischen seinem gesundheitszustand und der psyche aufgedeckt werden (was dann zu einer heilung beitragen wuerde), zum anderen gibt es ihm ein bisschen ruhe und erholung. normaler weise traegt die krankenkasse auch solche aufenthalte fuer ca. 4 wochen.
argumentationen wie "ich kann das jetzt nicht tun, weil dann mein job in gefahr ist" oder "dafuer haben wir kein geld" kann ich nicht akzeptieren. es geht hier doch um ein menschenleben, wenn ich das richtig verstehe. da muss man doch einmal die prioritaeten ueberdenken.
was mir spontan noch in den kopf kam ist, dass ich vergangenes jahr auf island einiges ueber die sogenannte blue lagoon gelesen habe, die beruehmt dafuer ist, bei verschiedenen hautkrankheiten eine ueberraschende und schnelle linderung zu bringen. das kann freilich auch hokuspokus sein, ich hab's nicht ausprobieren koennen, las sich fuer mich aber nicht so unwahrscheinlich. ausserdem ist das eine irre gegend da. ich weiss, das wuerde auch wieder geld kosten. die frage ist bloss, was man investieren moechte.
aber das nur am rande.
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06.11.2009 10:49 |
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rebecca
Mitglied
 
Dabei seit: 05.11.2009
Themenstarter
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| Zitat: |
Original von howl
eine verhaltensweise, die der krankheit des partners in gewisser hinsicht tuer und tor oeffnet. nicht nur, dass du aufopfernd fuer ihn da bist, du entschuldigst ihn sogar anderen gegenueber und setzt deine eigenen sozialen kontakte aufs spiel.
das ist nachvollziehbar und passiert vielen menschen, ist aber ein schritt in die falsche richtung.
...
du solltest meiner ansicht nach ganz klare grenzen ziehen und ihn nicht zu sehr in schutz nehmen.
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Hallo Howl
vielen Dank für deine Antwort!!
Alle raten mir "Grenzen ziehen". Und alle sagen auch, dass ich mit meinem Verhalten sein Situation verstärke. Aber wie kann ich das durchbrechen? Ich will ja Grenzen setzen. Aber mir fehlt eine Vorstellung davon, wie das aussehen könnte.
Hast du Tipps?
Ich habe schon mit meinem Freund abgemacht, dass ich mich räumlich zurückziehen kann, wenn es ihm sehr schlecht geht und er dann nicht denkt, ich lehne ihn ab, sondern es ist eine beiderseitig anerkannte Schutzmaßnahme. Aber die akute Situation ist so, dass ich nicht einschätzen kann, ob es die letzten Stunden sein könnte, die er lebt...
Aber wahrscheinlich greift genau da die Tatsache, dass ich ihn nicht wirklcih davon abhalten kann, wenn es es wirklich durchzieht.
Ich gehe mal der Psychosomatischen Klinik nach. Weisst du, ob man da auch spontan rein kommt?
viele dankbare Grüße von
rebecca
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06.11.2009 12:02 |
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Kreative

Mitglied
 
Dabei seit: 23.08.2009
Herkunft: München
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| Vieles wurde bereits gesagt ... |
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Trotzdem sei hier auch mein Beitrag, Rebecca:
Bei euch geht’s um Liebe und vor allem: um ihn. Du tust alles um deinen Freund zu verstehen. Das ist aufopfernd und romantisch. Vielleicht kann dir DEIN FREUND im Gegenzug SEINE Liebe beweisen indem er sich bereit erklärt, solange durchzuhalten bis ein Therapie- oder Klinik-Platz frei wird. Dir zuliebe soll er einen einzigen Versuch wagen, Hilfe anzunehmen.
Zweifelsohne ist er mit seiner Hautkrankheit einer besonderen Herausforderung ausgesetzt. Trotzdem braucht er jemanden, der ihm sehr sehr vorsichtig den Kopf wäscht. Das sollte ein Therapeut übernehmen, sicher nicht du allein!
Entschuldige, das bizarre Szenario aber: Stell dir vor, dein Freund überwindet sein Leid und wünscht sich mit dir eine stabile Zukunft. Stattdessen plagen ihn Tag und Nacht Schuldgefühle, weil du posttraumatisch ausgezehrt selbst stationär in Behandlung bist. (Romeo & Julia gab’s schon mal.)
Zugegeben: Das alles sage ich ohne aktuell selbst diesen gesunden Menschenverstand in eine Beziehung mit einbringen zu können (under construction).Deshalb gehe ich keine ein. Du kannst es aber sicher besser.
Einiges am Verhalten deines Freundes erinnert mich an eigene Verhaltensweisen. Davon handelt dieser Beitrag. Vielleicht fällt er deshalb relativ streng aus. Bitte zu bedenken: Es ist lediglich ein Erklärungsansatz.
Die Phase in der man sich nur um den Lebenslauf schert, kenne ich nur zu gut. Zum Glück hat sich aber mein Kopf (Danke, nochmal!) irgendwann eingeschaltet und mir erklärt, dass Suizidalität nicht grade zu den gefragten soft skills zählt. Das ist nämlich der Punkt ab dem man Hilfe annimmt. Es wäre eine großartige Leistung, wenn dein Freund ihn erreicht. Gerade weil man als junger Mensch heute so sehr auf Fleiß und Pflichterfüllung geeicht ist. (Hätte ich mein Burnout nicht gehabt, hätte ich nie von meiner 70Stunden-Werber-Woche gelassen. Man denke auch an den Radlfahrer, der sich mit Knochbrüchen als erstes um den verbogenen Rahmen sorgt.) Menschen in solchen Exrem-Situation denken oft irrational.
Dein Freund leidet offensichtlich, rümpft aber über Hilfen die Nase. Wo will er denn hin? Zu Britney und Lindsay in die „Promises“ oder in die „Betty-Ford-Klinik“? Abgesehen von der Nicht-Machbarkeit lassen die ERfolgsquoten dieser Kliniken übrigens auch zu wünschen übrig.
Im Ernst: Die Qualität einer Therapie anhand der Verfügbarkeit zu messen - ist meiner Ansicht nach - nicht sinnvoll. Diese Meinung maße ich mir nach 16 Jahren-Therapie-Mix aus ambulant und stationär an. Bitte um Nachsicht.
Wie howl schon anmerkte, lohnt es sich auf jeden Fall über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen um nach Heilung zu suchen. Die Meinung einer Handvoll Ärzte würde ich niiiiiieeeeemals als endgültige Prognose sehen. Unerwartete Heilungsprozesse sind keine Jahrhundertereignisse, sondern passieren erstaunlich oft.
Doch egal, wie eure GEschichte nun weitergeht: Sollte sich dein Freund - was Gott verhüten möge - wirklich für den Tod entscheiden, ist es ganz sicher nicht deine Schuld. Und es gibt nichts, was du dagegen noch mehr hättest tun können.
So long ...Alles Gute Euch.
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06.11.2009 14:24 |
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Talitha

Mitglied
 
Dabei seit: 01.10.2007
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| RE: Vieles wurde bereits gesagt ... |
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| Zitat: |
Original von Kreative
Bei euch geht’s um Liebe und vor allem: um ihn. Du tust alles um deinen Freund zu verstehen. Das ist aufopfernd und romantisch. Vielleicht kann dir DEIN FREUND im Gegenzug SEINE Liebe beweisen indem er sich bereit erklärt, solange durchzuhalten bis ein Therapie- oder Klinik-Platz frei wird. Dir zuliebe soll er einen einzigen Versuch wagen, Hilfe anzunehmen.
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Sorry Kreative, ich kritisiere nicht sehr oft die Ratschläge von anderen, schon weil für verschiedene Menschen verschieden Dinge richtig (oder falsch) sind. Vielleicht habe ich dich auch falsch verstanden?
Diese Art "leidende Liebe" zu verklären halte ich für EXTREM GEFÄHRLICH!
Ich weiß, dass Beziehungen mit einem schwer psychisch Kranken (wie auch mit einem Suchtkranken) eine eigene Dynamik haben. Der Betroffenen Angehörige, in diesem Fall rebecca, merkt es erst sehr spät und kann sich dem dann nur sehr schwer und meist nicht ohne weitere Hilfe entziehen.
Liebe heißt eben NICHT alles für einen anderen zu tun! Weil alles nicht immer das Beste oder Richtige ist, weil ich in dem ich ALLES tue den anderen (und mich selbst) immer tiefer hineinreiße und es immer schwerer wird eine Lösung zu finden.
Die Situation eskaliert nicht OBWOHL jemand alles tut, sondern WEIL jemand alles tut!
Liebe heißt konsequent und verantwortlich handeln. Das ist in solchen Situationen unendlich schwer und tut meistens sehr weh. Aber es ist die bessere, möglicherweise die einzige Chance!
Rebecca, wenn dann muss dein Freund für sich Hilfe suchen und nicht deinetwegen. Das funktioniert nicht auf Dauer und du / ihr würdet eurer Beziehung eine zusätzliche Bürde aufladen.
Versuch dir klarzumachen, was du tun kannst und was nicht. Es bringt nichts, wenn du ihm immer wieder das gleiche erzählst. Wenn du kannst und wenn er es will, kannst du versuchen seine Tiefs mit ihm auszuhalten (ohne zu reden, nur da sein). Eher mit ihm reden, wenn es ihm gerade besser geht - falls es überhaupt möglich ist.
Nimm ihm nicht die Verantwortung ab für Erledigungen oder Verpflichtungen anderen gegenüber, er muss selber Verantwortung übernehmen.
Das mit den räumlichen Rückzug, den ihr vereinbart habt, finde ich schonmal einen guten Anfang.
Aus meiner Sicht hast du im wesentlichen zwei Möglichkeiten. Entweder du hälst es in den Krisen aus, dass er den Weg daraus finden muss und dass er letztlich selber Hilfe annehmen muss - mit dem Risiko, dass er es nicht schafft und sein Leben beendet.
Oder, wenn du akut denkst, dass er sich etwas antut, geh den Schritt zur Einweisung. Das ist sehr schwer, es fühlt sich beschissen an, vielleicht wird er es dir nie verzeihen und eure Beziehung ist zu Ende (und du hast natürlich auch da keine Garantie, dass es langfristig sein Leben rettet).
Beides nicht leicht und nicht schön, letzlich die Wahl zwischen Pest und Cholera. Depressionen und Todessehnsucht sind so, es ist einfach beschissen!
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06.11.2009 16:58 |
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rebecca
Mitglied
 
Dabei seit: 05.11.2009
Themenstarter
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Hallo an alle,
(ich antworte lieber an alle, das ist einfacher, weil ich von jedem etwas aufnehme),
Ja, das Grenzen-setzen und die Verantwortung bei ihm zu belassen, das sind wohl die Kernpunkte einer Beziehung mit einem kranken Menschen. Noch habe ich die Kraft dafür, mit ihm durchzustehen. Ich habe halt nie die Sicherheit, dass er es diesmal nicht ernst meint…
Ich will auch nicht, dass er sein Leben "für mich" in Angriff nimmt. Ich erwarte auch keinerlei "Gegenleistung", außer dass er nicht dauernd behauptet, dass ich ihn nicht wirklich unterstützen würde. Ich will nur alles Mögliche tun, ihm die Perspektiven FÜR das Leben aufzuzeigen.
Nur letztes WE schien mir die Gefahr so akut (er sagte, morgen würde er seine Qual beenden, -so verklärt sagt der das immer ), dass ich mich dazu hinreißen lies, ihn unter Tränen zu bitten, wenn schon nicht wg. ihm, dann doch eben für mich die Hoffnung noch nicht aufzugeben… Es war aber eher so eine "letzter-Anker"-Aktion. Ich wollte die AKUTE Gefahr verhindern.
Aber diese vermeintlich AKUTE Gefahr zieht sich nun schon 1 Woche durch. Immer 1 Tag Hoffnung, ein Tag "Endgültigkeits-Androhungen" - so ungefähr (es sind nicht wirklcih immer 24 h -Rhytmen..) - er hat einfach kein Hoffnung und Kraft mehr. Vielleich noch einen Funken Hoffnung, aber keine Kraft mehr. Die Kraft sich auch weiteren evtl. Enttäuschungen zu stellen, die bringt er nicht mehr auf. Das kann ich verstehen, aber wie ihr alle und auch ich es sehen: eine psychologische unterstützung muss her - das sieht er nicht ein.
An diesem besagten Abend zeigte er sogar daran Interesse, wo er sich nun wirklich akut sofort hinwenden könnte. Er glaubte mir nicht, dass es wirklich sofort ginge. Also habe ich die Notarzt-Nr gewählt und dort bekam ich keine wirkliche Hilfe (erkläre die Situation weiter unten). De facto konnte ich keine Anlaufstelle ausfindig machen, zu der man sofort SELBST hingehen konnte, wenn man sich selbst einweisen möchte.
Ich war schon längst beim Hausarzt und fragte, was ich im Notfall tun könnte. Der meinte nur - "so schlimm scheint es ja nicht zu sein" und gab mir die Nr. vom Hausarztnotdienst. Als ich da anrief musste ich ca. 30 min auf einen Rückruf vom Hausarzt warten, die konnten mir nicht mal eine Anlaufstelle nennen. Die Ärztin sagte mir dann die zuständige Klinik sei da-und-da und als ich im Internet kurz recherchierte musste ich feststellen: die ist 40 km entfernt und ohne Auto kaum zu erreichen. Also eine völlige Farce, diese vom Hausarzt genannte Hilfe für den Notfall – wenn ich ihn wirklich vor sich selbst hätte schützen wollen, wäre jede Hilfe zu spät gewesen… Ich habe schon so oft das Sorgentelefon angerufen – auch in diesem Fall. Und ich bin noch NIE durchgekommen. Auch nach stundenlangem Probieren. Das ist echt frustrierend…und es macht mir Angst. Ich habe aber inzwischen die Nr. vom Rettungsdienst, die müssten ja dann wirklich sofort kommen, oder?
Ich komme nun zu dieser heiklen Frage der Einweisung:
Wie funktioniert das? Wen rufe ich an? – der Notarzt war ein voller Reinfall! Den Rettungsdienst?
Und dann, wenn der Rettungsdienst hier ist: wie können die helfen? Ich dachte, eine Einweisung kann nur erfolgen, wenn er eine offensichtliche Gefahr für sich oder andere darstellt. Wenn er mir aber immer einfach nur sagt "ich mach morgen schluss, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr" - dann kann ich doch nicht den Notdienst anrufen und der kommt dann und packt ihn einfach ein – oder??
Mein Freund weiß, dass ich den Notdienst rufe, wenn er sich ans Fenster stellt, aber er sagte mir, selbst wenn er eingewiesen würden, könnte er denen was erzählen, dass er wieder rauskäme. Es würde also nichts bringen, wenn ihn einweisen lassen würde, sagte er.
Ich glaube ich muss mal eine Pause einlegen, ist ja ohnehin viel Text bis jetzt und ich bin seit stunden am umformulieren, dass es kein Roman wird… ich kann euch nur immer wieder danken für die helfenden Antworten!!
Ich komme wirklich immer mehr dahin es auch zu glauben: sein Leben steht in seiner Verantwortung…
Soviel erstmal, ich freue mich schon auf eure Antworten!!
rebecca
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06.11.2009 19:09 |
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Ano

Mitglied
 
Dabei seit: 31.10.2009
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Hallo Rebecca,
Du bist in einer ganz besch.... Situation, die ich gut nachvollziehen kann. Ich habe vor über 20 Jahren in genau so einer Situation gelebt. Mein damaliger Lebensgefährte hat mich Tag für Tag traktiert. Entweder war er himmelhochjauzend oder zu Tode betrübt. Ich habe monatelang mit ihm über seine Depressionen geredet. Ich selber war nur noch Haut und Haare. Ich habe ihn bei meiner Familie und Freunden entschuldigt. Ich habe ihm geholfen, sich immer weiter in seine Depression zu begeben. Immer wieder habe ich bei seinem Arbeitgeber angerufen und ihn entschuldigt, wenn er mal wieder "krank" im Bett lag. Eines Tages hat es mir gereicht, ich habe seinen Arbeitgeber nicht angerufen, ich bin statt dessen zu einer Freundin (die letzte, die noch zu mir stand) gefahren und habe mit ihr gefrühstückt. Als ich nach Hause kam, lag er im Bett, leere Schachteln um sich herum. Ich ging zu ihm und schlug ihm ins Gesicht....nichts, er lag da und ich war völlig außer mir. Dann rief ich den Krankenwagen und er kam ins Krankenhaus. Mir wurde mitgeteilt, dass die Dosis, die er damals zu sich genommen hat, nicht tödlich war. Er hat mich unter Druck gesetzt (so habe ich es zumindest empfunden). Ich habe mich sofort räumlich und auch körperlich von ihm getrennt und ihm mitgeteilt, dass er sofort eine Therapie zu machen hat. Wenn nicht, dann würden wir uns nicht wiedersehen. Er hat mich ausgelacht und gemeint, dass ich das nicht durchziehen würde, denn dann würde er sich endgültig umbringen. Ich habe es durchgezogen, er hat sich nicht umgebracht.
Bitte nicht denken, dass ich kalt bin, aber ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht anders reagieren.
Manchmal ist es besser sich völlig zurückzuziehen! Vielleicht kommt Dein Freund dann wieder auf Dich zu und Du kannst mit ihm in Ruhe über eine Therapie reden.
Ano
__________________ Es lohnt sich zu leben, man sollte nur wissen wie!
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06.11.2009 19:25 |
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Talitha

Mitglied
 
Dabei seit: 01.10.2007
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Für den Notfall macht es einfach einen Unterschied, wo ihr wohnt. Ich glaube die Regelungen für eine Unterbringung (=Zwangseinweisung) sind in den einzelnen Bundesländern etwas unterschiedlich.
Hast du mal im Internet nach so was wie Krisendiensten oder Sozialpsychiatrischen Diensten gesucht? Die habe nicht unbedingt eine Rund-um-die-Uhr Erreichbarkeit, aber in der Regel können sie dir Ansprechpartner / Kliniken / Notfallnummern nennen und dir sicher auch sagen wie die "technische" Seite aussehen würde.
Ich kenn mich da nicht so genau aus und möchte dir nichts falsches erzählen.
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06.11.2009 19:32 |
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Hi rebecca,
du solltest an dich, nicht an ihn denken. Wie sehr die Krankheit deines Freundes ausgeprägt sein und wie sehr er auch immer darunter leiden mag, so darf er dennoch niemals anderen mit dem Suizid drohen - ganz gleich, ob direkt oder indirekt. Und es erscheint mir - anhand dessen, was du schriebst -, als täte dein Freund genau dies. Und es hört sich auch so an, als würdest du darunter leiden.
Hast du ihn bereits mit deinen Gefühlen konfrontiert?
Du selbst musst wissen, ob du weiterhin so lebst wie jetzt, oder ob du mal auf den Tisch haust und ihm klar machst, dass du ein eigenes Leben hast (nun zumindest scheinst du nur für ihn zu leben). Und auch, dass es Konsequenzen haben wird, wenn er weiterhin mit dem Suizid "droht", weil du dich dadurch so-und-so fühlst.
Warum aber fühlst du dich überhaupt verantwortlich für ihn?
Gruß,
Sephiroth
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06.11.2009 19:55 |
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howl
Mitglied
 
Dabei seit: 01.07.2008
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rebecca, du musst unterscheiden zwischen notfallhilfe und kurzfristiger aufnahme in eine psychotherapeutische klinik.
wenn dein freund gerade mit selbstmord droht und du den eindruck hast, diesmal meint er es ernst, ruf die polizei. das ist dir vielleicht peinlich und deinem freund wird das mal gar nicht gefallen, aber das ist die methode, ihn von der strasse zu holen. da wird er fuer ein paar tage beobachtet und mit medikamenten ruhig gestellt. er wird dort NICHT therapiert. dafuer sind die nicht zustaendig. ueblicherweise landet man in einem lkh wenn die polizei einen mitnimmt, sofern es eines in der naehe gibt. da kann's auch schon mal gruselig sein. also keine schoene sache, aber eben das, was du im notfall machen musst.
ihm jetzt mal eben von heute auf morgen einen guten therapieplatz zu besorgen ist freilich nicht ganz so einfach. da musst du viel geduld haben und rumtelefonieren. moeglichkeiten gibt es. ich wuerde das an deiner stelle aber auch nur tun, wenn du den eindruck hast, er will das selbst auch.
so und dann was ganz generelles.
als gebranntes kind bin ich immer wieder ziemlich angekotzt, wenn ich mitbekomme, dass irgendwo jemand seinen partner/partnerin mit staendigen selbstmorddrohungen auf trab haelt. es ist eine gratwanderung aber es gibt momente, in denen man vielleicht auch mal sowas sagen kann wie "du hast doch GESTERN schon gesagt, du wuerdest dich morgen umbringen, watt iss denn nu damit?"
das wird nicht gut ankommen, das steht mal fest. aber es ist u. u. auch mal ein augenoeffner.
depressive menschen verlieren meist irgendwann aus den augen, wie es den leuten um sie herum ergeht. manchmal muss man sie einfach links liegen lassen. das ist keine patentloesung, aber das muss man schon um seiner selbst willen machen.
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06.11.2009 21:00 |
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Kreative

Mitglied
 
Dabei seit: 23.08.2009
Herkunft: München
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Hallo Talitha,
sorry – hab eben erst wieder ins Forum geschaut. Offenbar hab ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich wollte das Argument entkräften, dass Rebecca ALLES für ihren Freund tun muss, wenn sie ihn wirklich LIEBT. Und dass es auch an IHM ist, SEINE Liebe zu beweisen. (Indem er Hilfe annimmt) In der Vergangenheit hatte ich eine ähnliche Situation und wir beide hatten schon einen arg verklärten Zustand erreicht. Bis zum Hals in Schweiss und Tränen, hab ich dann auch angefangen mit Drohen – ein völliges Desaster.
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07.11.2009 12:39 |
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rebecca
Mitglied
 
Dabei seit: 05.11.2009
Themenstarter
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| Die (scheinbare?) Besserung nach Jahren |
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Hallo Lafayette,
ja mir geht es gut gerade. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mein Freund scheinbar einen Weg aufwärts beschreitet. Es kommt nur noch sehr selten vor, dass er sagt, er möchte nicht mehr leben. Er ist offener geworden und erzählt mir auch von seiner Frustration darüber, was alles in seinem Kopf passiert und dass er das ändern möchte. Seit ca. 2 Monaten kommt es ihm auch öfter über die Lippen, wie wichtig ich für ihn bin und dass ich ihm helfe, das alles zu durchstehen. Er löst damit keinen Druck aus, sondern gibt mir die Bestätigung, dass es richtig war "zu bleiben". Denn bei aller Liebe, war es doch fast das einzige, was ich noch bieten konnte - einfach da sein. Er möchte keine Psychotherapie machen, weil er davon ausgeht, dass ihm das nichts bringt. Ich habe das akzeptiert und möchte ihn nun in seinem anderen Weg begleiten: Mehr Ruhe im Alltag und mehr Rituale. CDs und Bücher zum Thema Depression hat er sich zahlreich ausgeliehen und probiert verschiedene Entspannungsmethoden aus.
Meine große Angst ist, dass es diese berüchtigte "scheinbare Besserung vor dem Selbstmord" ist. Denn er erzählt mir auch, dass er sich eigentlich jeden Tag wünscht nicht mehr zu leben. Dabei scheint es äusserlich auf jeden Fall so, als ob die Gute-Tage-Quote steigen würde. Auch der Umgang mit Problemen ist besser, er ist viel konstruktiver und unterstützt mich auch, wenn ich mal schwach bin... es scheint nach vielen Monaten wirklich besser zu werden... aber kann ich dem Schein trauen???
Vielleicht schaut mal jemand wieder rein, auch nach so langer Zeit und mag sich weiter zu meinem Thema austauschen... Wäre schön, denn das hat mir letztes Jahr so geholfen!
beste Grüße,
rebecca
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07.02.2010 14:59 |
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roteGräfin

Gesperrter User
Dabei seit: 30.01.2010
Herkunft: NRW
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| RE: Die (scheinbare?) Besserung nach Jahren |
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Hallo Rebecca,
erst einmal mein allergrößten Respekt für Dich und was Du mit Deiner Liebe durchgestanden hast.
Jetzt ist es an Dir der Besserung zu glauben und nicht noch neue Ängste zu hüten. Auch wenn es nur die Besserung vor dem Tod ist, dann solltest Du jede frohe und glückliche Minute mit Deinem Freund auskosten und Dich darüber freuen wie viel ihr schon geschafft habt.
Es bleibt dabei, jeder Mensch kann sich nur selbst dafür entscheiden zu leben und dafür was er in diesem Leben erreichen will.
Es gibt eine Liebe zum Tod und eine Liebe zum Leben und dazwischen gibt es die menschliche Entscheidung wofür. Di muss notfalls jeden Augenblick neu getroffen werden.
Wer aber liebt weiß, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Klingt jetzt vielleicht etwas geschwollen. Ich kann es leider nicht besser ausdrücken.
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
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11.02.2010 17:39 |
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