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Marchand Marchand ist männlich
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Eindeutig marktiert Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Eindeutig marktiert

Zwei Wochen wohnte ich nun hier in dieser neuen Stadt und trotz besserer Vorsätze kam ich erst heute dazu, dem Wochenmarkt einen Besuch abzustatten. Zwischendurch, meistens, wenn ich etwas besonderes zu Essen zuzubereiten im Sinn hatte, verschlug es mich gern auf den Markt. Die große Bandbreite an Persönlichkeiten hatte es mir angetan. Bei den Verkäuferinnen reichte sie von der steinalten Verkäuferin mit Großmuttercharme bis zu der blutjungen Schönheit, die sich jeder Mann als Schwiegertochter für seine Eltern gewünscht hätte. Was letztere anbelangte hatte ich nicht immer Glück mit meinen Marktbesuchen. Bei den Verkäufern sah man stets gestandene Männer verschiedensten Alters hinter den Marktständen.
Auf diesem Markt war es heute nicht anders und auch da die potentielle Schwiegertochter – zumindest unter den Verkäuferinnen – auch nicht in Sicht war, würde ich anderntags sicher wieder kommen.
Doch nun war ich bereit diesen neuen Markt zu erobern, bewegte mich durch diese von Handel und Wandel geprägte Ständegesellschaft und freute mich über den Anblick des Vertrauten, wenn die Händler Obst von Gemüse fein säuberlich getrennt voneinander in Stellung gebracht hatten, die Butter nicht bei die Fische war, obgleich die gehandelten Tatsachen auf dem Tische lagen, und alles wie immer, alles in Ordnung war.
Am vierten oder fünften Stand blieb ich erst mal stehen, um ihn genauer zu betrachten. Etwas schien irgendwie nicht zu stimmen. Ob er mir helfen könne fragte mich der Markthändler. Ich verstünde nicht, warum die Limetten zwischen den Karotten gelagert wurden, antwortete ich. Links von Limetten und Linsen wären die Karotten und rechts davon die Möhren, was gäbe es da nicht zu verstehen, meinte der Händler bestimmt, aber freundlich. Ob er auch Lauch hätte fragte ich nach, da ich ihn zum Kochen brauchte, aber heute hatte er keinen, sonst links von den Limetten, gleich nach den Möhren. Gelbe Rüben haben sie auch keine, wie mir scheint, konnte ich mir zu fragen nicht verkneifen. Nein, antwortete mein Gegenüber, die wären schon aus, werden merkwürdigerweise immer vor den Möhren und Karotten verkauft, müsse an den Leuten hier liegen. Okay, meinte ich, und daß ich glaubte das System verstanden zu haben, alphabetisch geordnet, nicht wahr? Was mir aber schleierhaft bliebe, warum die Orangen rechts neben den Birnen gelagert würden und nicht links neben den Passionsfrüchten. Als kleine Ehrerbietung an meine Ignoranz lachte er kurz in sich hinein und klärte mich auf, es waren Clementinen, keine Orangen.
Er bedeutete mir mit der Hand sich zu mir zu beugen, kam mir über die Theke seines Standes entgegen und flüsterte mir ins Ohr. Ich solle ihn nicht für verrückt halten und glauben, daß er seine Waren aus Spaß alphabetisch anordnen würde, das wäre für die Kunden, die wollten es hier so. Er verriet mir auch, daß er einmal die Woche in der Nachbarstadt verkaufen würde und sein Obst und Gemüse dort nach Farben ordnete. Ganz komische Leute wären es dort, ganz komische.

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16.12.2008 11:40 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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Die Beerdigung Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Ein Trauerspiel. So lange hattest du durchgehalten und Hoffnung gegeben, du würdest durchkommen, doch am Ende half, wie so oft, alles nichts. Du hattest mir gezeigt, wie schön die Welt sein kann, maltest sie mir in den buntesten Farben. Ich brauchte dich nur anzusehen und schon ging es mir besser, und wenn ich dir nahe kam, und deinen Duft vernahm, konnte ich alles andere um mich herum vergessen. Du gabst mir Kraft die Tage zu bestehen, wie vergebens es auch immer schien.
Doch ich war blind und sah nicht, wie es in dir selbst aussah. Du mochtest diese Erde nie, warst innerlich schon lange verdorrt, nur noch ein Nachtschatten deiner selbst. Als mir die Augen aufgingen, war es längst zu spät, du hattest deine Reise bereits angetreten. So steh ich nun mit der Schaufel voll frischer Erde in der Hand, sie dir symbolisch mit auf den Weg zu geben. Ruhe in Frieden.
Ich war taub und wollte die Ratschläge meiner Freunde nicht hören. So ist es letztendlich mein eigenes Verschulden, das dich in den Tod getrieben hat. Bitte vergib mir. Ja, es ist zu spät, aber hätte ich dich doch früher umgetopft.

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01.05.2009 20:46 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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Das Museum Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Es war ein warmer, unterhaltsamer Mittsommerabend gewesen und folgerichtig musste er mich an dessen Ende zu sich nachhause einladen. Er wolle sich ein genaueres Bild von mir machen, hauchten mir seine Lippen als Begründung ins Ohr, bevor sie mich in ihrem Rückzug zärtlich auf die Wange küssten, um zu unterstreichen, wie schwer er sich von einer ablehnenden Antwort erholen würde.
Das nächste Wochenende war es dann soweit und als ich bei ihm ankam, erwartete er mich bereits in seinem Heim, welches er selbst sein Museum nannte. Es war der Hort seiner Kreativität und eben deswegen erbat er, sich erst ein Bild von mir machen zu dürfen, bevor er mich durch den Rest seines Reiches führen wollte. Im Wissen, auf was ich mich einließ willigte ich ein. So war der nächste Raum, den wir aufsuchten sein Atelier und er überließ es mir, aus seinen Requisiten ein Kleid auszusuchen, indem er mich malen durfte. So entschied ich mich für eine weiße Toga, in der ich bewusst etwas nackte Brust, und ihm erst mal noch die kalte Schulter zeigen konnte. Der Funken knisternder Erotik sollte zuallererst auf die Bilder überspringen.
Im Laufe des Nachmittags entstanden so mehrere Skizzen und eine detailliertere Zeichnung von mir, wie ich in verschiedenen Posen dem Ebenbild einer griechischen Göttin glich. Für ein größeres Gemälde von mir bräuchte er mehr Zeit, erklärte er mir, während ich hinter einer spanischen Wand die Toga aus und meine eigenen Sachen wieder anzog. Dazu müsste ich entweder länger hier bleiben, wieder kommen oder er es anhand der Skizzen und aus seinem Gedächtnis malen. Diese Alternativen würde er in absteigender Reihenfolge favorisieren, aber ein Gemälde von mir realisieren wolle er auf alle Fälle.
Wir gingen zurück ins Wohnzimmer und so manches Möbelstück, der eine oder andere Gegenstand und ein paar sicher wertvolle Gemälde passten tatsächlich gut in ein Museum. Geräumig und gemütlich war es, ohne Zweifel viel Platz, der Kreativität des Künstlers freien Raum zu lassen. In seinem Schlafzimmer, ein Stockwerk höher, sah es nicht minder üppig aus, das große Bett bot sicher Platz für vier, wie ich begründet befürchtete. Neben dem Bad gab es noch drei weitere Räume, von denen zwei die seiner beiden Mitbewohnerinnen waren und einer derzeit frei wäre. Wenn ich wollte, könne ich dort übernachten und wir nach einem Glas Wein mit meinem Gemälde weitermachen.
Ich wollte nicht, aber der neugierige Teil in mir ließ sich noch erzählen, wie das Verhältnis zu seinen „Mitbewohnerinnen“ denn wäre. Wie es sich zeigte, waren es die Frauen, die ihn beflügelten, eben, seine Musen. Es wäre dann jedoch stets unterschiedlich, meinte er, mit einigen würde er auch mal schlafen, um ein Bild zu vollenden, weil er das Gefühl hätte, er müsse jeden Zentimeter ihres Körpers mit seinen Fingerkuppen und seinen Lippen kartographieren. Eine andere wäre so schön gewesen, dass er sie nicht berühren konnte, sie musste einfach nur da sein. Einmal hatte er auch eine, bei welcher er die größte künstlerische Kraft spürte, wenn sie weg war und die Angst wuchs, sie würde nicht zurückkommen. Er zeigte mir auch sein dadurch entstandenes Werk „Weltuntergang“, welches daraus resultierte, dass besagte Dame tatsächlich nicht wieder kam.
Er gestand zu wissen, was er hier an diesem Ort genaugenommen hatte, einen Harem der Musen, aber das klang ihm zu sehr in die falsche Richtung führend, so dass er das Wort Museum als passender empfand, wenn er darüber sprach.
In beiderseitigem einvernehmen hatten wir es mittlerweile wieder bis zur Haustüre geschafft. Ich sah mir mein Gegenüber noch mal genau an und so sehr es mich reizte hier zu bleiben, so sehr mich dieser Mann reizte, so sehr wusste der Teil in mir, der nicht teilen konnte, dass dies nicht gut gehen würde. Ich wusste, dass ich auch so seine Muse sein würde und so hauchte ich ihm ins Ohr, mir auch ein Bild von ihm gemacht zu haben, küsste ihn zum Abschied zärtlich auf die Wange, drehte mich um und ging. Was ich ihm dabei verschwieg war, dass mir im Grunde nur der Rahmen nicht gefiel.

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12.06.2009 18:42 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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Else Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zwei Frauen in einer Woche kennen gelernt. Ein neuer Rekord für mich. Gut, Else ist eine Prostituierte, aber auf jeden Fall jemand, um denn man auch freien möchte, wäre ihre Profession eine andere. Immerhin, zum ersten mal begegnet sind wir uns im Park und rein privat. So vage sie bei unserem kurzen Gespräch auch blieb meinte sie jedoch, sie wäre eine von der Sorte, welche die Art von Dingen macht, die die anderen nicht tun würden. Meine Phantasie hielt sich zurück mir auszumalen, was sie gemeint haben könnte.
Und dann war da noch Ifigenie, eine attraktive Frau aus meinem Programmierkurs, bei dem sich die Teilnahme schon wegen ihrer Anwesenheit allein gelohnt hat. Sie ist es auch, mit der ich heute hier in diesem Café verabredet bin, wartend und die vergangene Woche im Geiste resümierend. Sie meinte, wenn man auf einer Wellenlänge läge, könnte sich ja vielleicht was entwickeln. Während ich noch dachte, was sie meinte, kam sie auch schon zur Tür herein und bewegte sich lächelnd auf mich und meinen Tisch zu. Sie sah bezaubernd aus. Wenn es mit ihr etwas würde, wäre es sicher schön. Ansonsten bliebe ja noch Else.

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03.08.2009 23:48 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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Die Vorstellung Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zwei Stunden durchgespielt. Premiere. Der letzte Satz war gesprochen, die Scheinwerfer gingen aus. Nur ein Moment der Ruhe, dann würde das Licht wieder angehen, dann würden sie applaudieren. Dann würde sie applaudieren, die unbekannte Schöne, die bei jeder Premiere in der ersten Reihe saß. Ich würde mich theatralisch verbeugen und ihr dabei in die Augen sehen. Sie würde selbstbewusst als erste aufstehen und die Speerspitze einer stehenden Ovation bilden. Ich würde das letzte bisschen Mut, das mir, trotz seines stetigen Abflusses während der letzten zwei Stunden der Darbietung, noch verblieben war, zusammen nehmen, mich ein Stück nach vorne bewegen und ihr von der Bühne herunter meine Hand reichen. Sie würde einen Schritt auf mich zu machen, ihre Hände würden aufhören zu klatschen und sich zurückhaltend und entgegenkommend zugleich zeigen. Ich würde die Gelegenheit ergreifen, sie vorsichtig auf die Hand küssen, ein paar Schritte rückwärts machen, mich verbeugen. Der Vorhang würde fallen und ich mir den Angstschweiß von der Stirn wischen. Meine Schauspielerkollegen würden kommen und mich an den Händen fassen. Der Schleier würde wieder gelüftet und jetzt würden wir uns zusammen verbeugen. Die unbekannte Schöne würde wieder klatschen, diesmal mit einem sanften Lächeln und leicht geröteten Wangen, aufgrund meines Handkusses von vorhin. Später, wenn alles vorbei wäre, wenn die Gäste die Zuschauertribünen geräumt und wir Schauspieler die Bühne verlassen hätten, würde ich sie im Foyer sehen und sie ansprechen, alle Schauspielkunst beiseite lassen und sie einfach ansprechen. Wir würden uns den ganzen Abend unterhalten und uns so gut verstehen, wie sich zwei Seelenverwandte nur verstehen konnten. Es wäre der erste Akt eines wundervollen Stückes.
Der Moment der Ruhe war vorüber, das Licht ging wieder an und ich applaudierte zusammen mit den anderen. Zwei Reihen vor mir applaudierte die unbekannte Schöne dem Schauspieler auf der Bühne zu einer gelungenen Premiere. Ich werde ihr keinen Handkuss geben und sie später auch nicht im Foyer wiedersehen, ich werde wohl eher nachhause gehen. Aber es war dennoch eine schöne Vorstellung.

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10.11.2009 21:25 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
Schattenherz
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Die Clikks sprechen zwar für sich, aber deine Geschichten sind grandios.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Schattenherz: 13.11.2009 16:10.

13.11.2009 16:10 Schattenherz ist offline E-Mail an Schattenherz senden Beiträge von Schattenherz suchen Nehmen Sie Schattenherz in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie Schattenherz in Ihre Kontaktliste ein
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Die Hand aus Sand Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Ein Gespür für die Ewigkeit und Hoffnung für einen Tag. Der Gedanke besuchte mich, als meine Finger, zwischen ihren Schulterblättern beginnend, gerade langsam über den nackten Rücken der Frau neben mir strichen, um in Höhe ihres Steißbeins Halt zu finden, nur um die Bewegung alsbald in gleicher Weise von neuem zu beginnen. Wenn er auch zu einer unpassenden Zeit kam, so hatte er dennoch völlig Recht, genau das war es, was diese Hand ausstrahlte, die ich gestern am Strand gesehen hatte, diese Hand aus Sand, die irgendjemand modelliert haben mochte, um eine Aussage zu machen die niemand hörte, oder einfach nur, um des Modellierens Willen.
Die Hand war von gestern, der Gedanke von heute. Die Frau vereinigte etwas von beidem in sich und gab Hoffnung für einen weiteren Tag.
Sie drehte sich zu mir und fragte mich in meiner Nachdenklichkeit, an was ich denn dachte. An die Hand aus Sand, die wir gestern gesehen hatten. Sie meinte, sie könne sich nicht daran erinnern eine gesehen zu haben, aber daß ich sie ihr ja nach dem Frühstück noch zeigen könne, wenn die Stelle nicht zu abgelegen wäre. Es war auch der Tag ihrer Abreise und der Tag des Abschieds. Die Zeit für einen letzten gemeinsamen Strandspaziergang zu nutzen, schien uns so naheliegend wie wir uns einander selbst noch Stunden zuvor.
Nach einer angenehmen kurzen Weile erreichten wir den Ort, an dem ich die Hand zum ersten mal sah, doch weit und breit war nichts handliches zu sehen. Vielleicht habe sie sich zusammen mit dem Körper zu dem sie gehöre ausgegraben, meinte meine Begleiterin. Zwei Sekunden brauchte ich dann doch, um die Ernsthaftigkeit dieses Gedankens zu verwerfen und zu Schmunzeln. Zwei echte Hände zogen ihre Arme nach sich, um sich hinter meinem Rücken verschränken. Mir blieb kein anderer Ausweg, als mich zum Trost küssen zu lassen und einen anderen Ausweg hätte ich mir auch nicht gewünscht.
Wir machten uns auf den Rückweg ins Hotel. Dort angekommen half ich ihr noch ihr Gepäck zum nahegelegenen Bahnhof zu bringen und wartete mit ihr am Bahnsteig auf die Ankunft des Zuges. Wir wussten beide, daß wir uns nicht wiedersehen würden. Wir tauschten keine Adressen und keine Nummern, wir hatten nur die Erinnerung an die Kürze der vergangenen Zeit. Als der Zug dann einfuhr genossen wir noch einen letzten Kuss. Sie meinte, ich solle nicht auf wiedersehen sagen und ich tat es nicht. Sie streifte ihren Ehering über den Finger, drehte sich um und bestieg den Zug. Ich sah, daß ein Schaffner ihr mit dem Gepäck half, wandte mich ebenfalls ab und beschritt den Weg zurück. Ich hätte schwören können, ihren Blick noch kurz auf meinem Rücken gespürt zu haben, aber ich hoffte es nicht.
Zurück im Hotel verbrachte ich den Abend zunächst an der Bar, bis mir die Erinnerung an die erste Begegnung mit der vor kurzem Abgereisten zu intensiv wurde. Ich verzog mich auf mein Zimmer und begann meine Sachen zu packen, da auch ich am nächsten morgen ein Abreisender sein würde.
Nach vollbrachter Packerei früher als sonst zu Bett zu gehen war wohl ein Fehler, blieb ich doch die ganze Zeit wach und ließ mich etwas nicht schlafen. Unwissend was es genau war, trieb es mich dazu mich anzuziehen und mitten in der Nacht an den Strand zu gehen. Ich suchte die Stelle, wo sie in meiner Erinnerung war und wo ich meinte sie gefunden zu haben und begann zu modellieren. Ich gestaltete eine Hand aus Sand, denn vielleicht würde jemand am nächsten morgen den gleichen Gedanken haben, wie ich ihn hatte, als ich sie sah. Vielleicht hätte jemand, irgendjemand, Hoffnung für einen Tag.

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12.01.2010 16:24 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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Der Versuchsigel Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Es war ein lauer Sommerabend auf einer Wiese voller geschäftiger Insekten. Oder zumindest wünschte ich mir das jeden Abend. Manchmal wäre mir auch ein Wald recht gewesen, mit viel Laub und auch ein paar Insekten. Allerdings habe ich, der ich in Gefangenschaft geboren bin, derlei Dinge nie gesehen, gerochen oder gespürt, kenne sie nur aus den Erzählungen der häufig wechselnden Wildvögel in ihren Käfigen. Sie waren zum Fliegen geboren, aber konnten doch den Netzen der Häscher nicht entkommen. Und dennoch, vor die Wahl gestellt, würden sie ihre Flügel gegen die Freiheit tauschen?
Der Sommerabend für mich sah anders aus. Meine Wunden waren kaum verheilt, ging es von neuem los. Die Käfigtür ging auf, ich wurde von einer schwarzen, kalten Hand gepackt und sanft in einer Grube abgesetzt, in der es nur den Ausweg nach oben gab. Nie viel später wurde ein Fuchs in meiner Nähe platziert. Er konnte nichts dafür und war obendrein sicher selbst von diesen Monstern misshandelt worden. Ich sah, daß ihm Haare fehlten, am Kopf und am Rücken und ich spürte sein friedfertiges Wesen. Ohne äußeres zutun, wäre er nicht so aggressiv gewesen.
So bereitete ich mich darauf vor das zu tun, was ich immer tat, ich rollte mich zusammen. Und der Fuchs tat, was er immer tat, er biss mich, biss noch mal zu, biss immer wieder zu, bis es vorbei war. Manchmal kam es mir wie eine Ewigkeit vor, aber irgendwann kam dann doch stets die schwarze Hand und trennte den Fuchs von mir, hob ihn aus der Grube, während ich noch eingerollt liegen blieb. Ich wußte nicht, was von mir erwartet wurde, ich bin doch nun mal ein Igel, wie sollte ich mich in dieser Situation anders verhalten, als mich zusammenzurollen? Während ich noch so dalag dachte ich an den Ausweg aus der Grube und an die mitgefangenen Wildvögel. Hätte ich die Wahl, ich würde meine Flügel nicht tauschen wollen.
Die Hand kam wieder, schmierte Balsam auf meine Wunden, bevor sie mich zurück in meinen Käfig brachte. Der Abend wurde zur Nacht und als die Hand die große Käfigtüre öffnete, die nach draußen führte, konnte man für einen kurzen Moment die Grillen zirpen hören, dann war es dunkel. Manchmal hörte ich das leise Wehklagen der Kaninchen, denen die Hand verschiedenste Substanzen ins Auge träufelte, nur weil sie sich so gut dafür zu eignen schienen. Sie taten mir Leid, damit ich mein eigenes vergessen konnte. Sie wurden eben so geboren. Und ich? Ich wurde als Igel geboren, aber als ein Igel ohne Stacheln. Vielleicht wollten die schwarzen, kalten Hände nur testen, wie lange es dauert, bis ich meine Verhaltensweise ändere und versuche vor dem Fuchs wegzulaufen oder ihn gar anzugreifen, anstelle mich einzuigeln. Aber diesen Gefallen werde ich ihnen niemals tun, denn so sehr es auch schmerzt und welche Wunden ich auch davontrage, dieser Fuchs ist doch der einzige Freund, den ich in dieser Hölle hier habe.

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01.03.2010 02:36 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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Die Reste des Rauches danach hatten sich kaum verzogen, als auch schon die Polizei am Tatort eintraf. Die aufgefundene Pistole ließ sich widerstandslos von den Polizisten mitnehmen und gestand sofort. Die ansonsten eher verklemmte Waffe meinte gegenüber den Polizeibeamten wörtlich „Da hat es keinen falschen getroffen.“ Der Gerichtsmediziner gab zu Protokoll, der Rechtsanwalt wäre sofort tot gewesen. Das war in der Tat das einzige, was der Pistole leid tat.

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05.03.2010 01:03 Marchand ist offline E-Mail an Marchand senden Beiträge von Marchand suchen Nehmen Sie Marchand in Ihre Freundesliste auf
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