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Mein eigenes Leben leben |
Das Momo
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Dabei seit: 24.02.2010
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Liebes Forum,
ein guter Freund von mir will sich (wieder) umbringen, oder kündigt das zunächst an. Ich habe das Ganze mit ihm schon einmal durchgemacht, vor ca 2,5 Jahren. Habe versucht ihn dazu zu bringen sich Beratung zu suchen, habe irgendwann sogar die Polizei eingeschaltet, mit Lehrern und eltern telefoniert und so weiter. Kurz, ich habe mich da so reingekniet, dass ich mein eigenes Leben nicht mehr ernst genug genommen habe. Ich hatte schlichtweg nicht die Kraft dazu ihn zu tragen.
Ich habe daraufhin den Kontakt abgebrochen, und es nach einiger Zeit auch geschafft seine Kontaktversuche abzulehnen, zu ignorieren, etc.
Seit einem 3/4 Jahr habe ich wieder Kontakt. Zunächst sah alles gut aus. Er hat mich ein paar mal besucht und wir haben uns sehr gut über Vergangenes austauschen können, haben viel zusammen gelacht. Er ist inzwischen in eine andere Stadt gezogen, macht dort die Schule nach und fühlt sich eigentlich auch wohl in seiner Umgebung. Trotzdem scheint es ihm nicht gut zu gehen. Bei einem Besuch bei mir, hat er aus der WG-Minibar heimlich das harte Zeug getrunken und auch nicht ganz wenig. Als ich das gemerkt habe und ihn drauf angesprochen habe, wurde im GEspräch deutlich, dass es ihm nicht gut geht.
Im Chat (chatten tun wir viel) hat er mir nun erzählt, dass er seinen Suizid plant. Nun ja, er hat sogar sagen können wie er es machen will, also es klingt erstmal so, als würde er sich mindestens Gedanken drüber machen. Wie ernst es ist vermag ich nicht einzuschätzen.
Für mich ist es jetzt sehr wichtig, dass ich mein eigenes Leben lebe, ich kann und will ihn nicht schon wieder tragen. Stützen tue ich ihn gerne, aber irgendwann kommt der Punkt wo ich an mich denken muss und werde. Ich habe mein eigenes Leben. Und er hat eine Verantwortung für sein Leben.
Und trotzdem, die Vorstellung, dass er sich tatsächlich umbringt ist furchtbar. Ich will zumindest alles tun, was in meinem Rahmen ist um ihm zu helfen. Ich will mir auch nicht hinterher Vorwürfe machen müssen, falls er es durchzieht, denn ich weiß jetzt davon.
Da er immer sehr geplant vorgeht, weiß ich ungefähr wieviel Zeit mir noch bleibt. Er wird auf jeden Fall solange warten, bis ich ihn besucht habe, was ich noch vor habe.
Kann ich ihm helfen ohne mich kaputt zu machen? Was für Möglichkeiten gibt es für ihn? Was für möglichkeiten gibt es für mich? Wie kommt es, dass es ihm immer noch schlecht geht, denn früher hatte er allen Grund dazu, durch die äußeren Umstände, jetzt sehe ich nicht mehr woran es liegt?
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24.02.2010 23:26 |
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Gibt bereits einen aktuellen aehnlichen Thread: http://selbstmordforum.de/wbboard/thread.php?threadid=22127 Vielleicht helfen dir die Antworten von dort auch etwas weiter. Besonders die Beitraege von roteGraefin bringens es eigentlich auf den Punkt.
Dort habe ich bereits geantwortet und wuerde dir hier genau dasselbe raten: Scheiss drauf.
Ich war mal in ner aehnlichen Situation (als der Helfende, nicht als der Suizident) und mich hat das bloss selber fertig gemacht. Damals war mir nicht klar, dass das bloss ein mieses Machtspielchen ist: "Schau her, mir gehts ja so beschissen, ich will mich sogar umbringen, also kuemmer dich gefaelligst um mich, weil das sonst ja keiner macht".
Irgendwann hats mir einfach gereicht und ich hab den Kontakt abgebrochen. Das Ganze war vor ein paar Jahren. Ungefaehr einmal im Quartal kommt ein Kontaktversuch, den ich konsequent ablehne. Und die betreffende Person lebt immer noch.
In der Vergangenheit hast du ja offenbar alles in Bewegung gesetzt was ging. Sag dem Betroffenen also jetzt, dass er sich professionelle Hilfe suchen soll. Such ihm notfalls die Nummer der Telefonseelsorge raus und gut is. Ich gehe davon aus, dass derjenige muendig und erwachsen ist. Er soll sich dann um seine Probleme kuemmern oder sich eben umbringen. Ist ja seine Entscheidung und weder das eine noch das andere ist strafbar.
Andere da aber mitreinzuziehen und durch solche miesen Drohungen an sich zu binden ist unter aller Sau.
__________________ "Ist das Leben immer so hart, oder nur wenn man Kind ist?" - "Es wird immer so sein!"
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26.02.2010 12:24 |
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roteGräfin

Gesperrter User
Dabei seit: 30.01.2010
Herkunft: NRW
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| RE: Mein eigenes Leben leben |
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Hallo Momo,
Ich hoffe Du kennst das Buch von Michael Ende. Momo holt nur für die Menschen die verlorene Zeit zurück und damit wird letztlich aus gesagt, das alles einen Sinn hat.
Also ist einmal nach zu sehen welchen Sinnes für Dich ergibt oder ergeben hat, dass Du Dich schon einmal und jetzt wieder in das Kraftfeld dieser Selbstmorddrohung begibst?
| Zitat: |
| Original von Das Momo Und trotzdem, die Vorstellung, dass er sich tatsächlich umbringt ist furchtbar. Ich will zumindest alles tun, was in meinem Rahmen ist um ihm zu helfen. Ich will mir auch nicht hinterher Vorwürfe machen müssen, falls er es durchzieht, denn ich weiß jetzt davon. |
Hier geht es um Dich und das ist wichtig zu unterscheiden. Was sind das für Vorwürfe, die Du Dir machen kannst?
Ja Du weißt jetzt davon und bist Deinem Wissen anscheinend hilflos ausgesetzt. Wenn ich das bei mir erkenne, dann ergebe ich mich ganz meiner Hilflosigkeit und sage Gott: "Jetzt bist Du dran. Ich habe mein Bestes gegeben und ich weiß nicht mehr weiter."
| Zitat: |
| Da er immer sehr geplant vorgeht, weiß ich ungefähr wieviel Zeit mir noch bleibt. Er wird auf jeden Fall solange warten, bis ich ihn besucht habe, was ich noch vor habe. |
So hier bist Du schon in das Wahnsinnssystem von ihm eingestiegen.
Es ist und bleibt seine Entscheidung, ob er leben oder sterben will. PUNKT Mach ihm klar, dass es unter dieser Prämisse ja besser ist, wenn Du ihn vorerst gar nicht erst besuchst, da er ja sowieso vorhat sich umzubringen. Was sein gutes Recht ist es zutun. Du allerdings diese Entscheidung von ihm ablehnst. Dann mach mit ihm einen festen Termin aus an dem Du wieder mit ihm chatten willst.
| Zitat: |
| Kann ich ihm helfen ohne mich kaputt zu machen? |
Erst einmal Du bist beim ersten Mal nicht kaputt gegangen sondern Du lebst noch. Du bist in ein tiefes Loch gerutscht und auch wieder herausgekommen. Dafür solltest Du Dir auf die Schulter klopfen und Dich loben und bewundern, was Du da alles auf Dich genommen hast.
| Zitat: |
| Was für Möglichkeiten gibt es für ihn? Was für möglichkeiten gibt es für mich? |
Die ganz klare Entscheidung für das Leben egal was noch passiert. Den Augenblick ernst nehmen und die eigenen Gefühle sowie darauf vertrauen, dass es eine Macht gibt die größer ist als alle Vernunft und die hilft mit Mittel und Wege zu finden. Deine Möglichkeit ist und bleibt bei der Wahrheit zu bleiben und ihm sowie Dir Deine Hilflosigkeit und Deine Angst zu zeigen, wenn er so etwas unternimmt. Du es aber einfach nicht verhindern kannst, wenn er es unbedingt will.
| Zitat: |
| Wie kommt es, dass es ihm immer noch schlecht geht, denn früher hatte er allen Grund dazu, durch die äußeren Umstände, jetzt sehe ich nicht mehr woran es liegt? |
Das liegt an dem Menschen und seinem Wiederholungszwang. Ein Kind spielt z.B. einen Krankenhausaufenthalt solange mit seinen Puppen wieder durch, bis es das schlimme Erlebnis verarbeitet hat. Also wiederholt jetzt Dein Bekannter jetzt so lange das Spiel Selbstmord mit Dir oder anderen durch bis er sich erinnert, für wen er das eigentlich tut oder was er da wiederholt und ob ihm nicht auf die Dauer erfreulichere Spiele einfallen können, sein Leben zu gestalten.
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
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27.02.2010 13:11 |
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Das Momo
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Dabei seit: 24.02.2010
Themenstarter
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Hallo rote Gräfin, Hallo who_cares,
ersteinmal vielen Dank für die Antworten!
Den Link habe ich schon gesehen und gelesen, danke für den Tipp. Die Ratschläge dort treffen auch auf meinen Fall zu.
Ja, das Buch von Momo kenne ich. Sehr gut sogar.
rote Gräfin, du hast recht, dass ich hilflos bin was die Sache angeht. Es liegt tatsächlich nicht in meiner Macht seinen möglichen Suizid zu verhindern. (Ganz egal, ob ich jetzt einen Gott habe, dem ich das in die Hand geben kann). Aber diese Gelassenheit, die muss ich ersteinmal irgendwo her nehmen und in mir wachsen lassen, zu gewissen Teilen ist sie ja auch schon da.
Eventuelle Vorwürfe hinterher könnten sein, dass ich es hätte verhindern können. Und davor habe ich wahnsinnige Angst.
Ihn zu besuchen ist vermutlich wirklich eine schlechte Idee. Die schon bestellten Theaterkarten muss er dann irgendwie anders los werden. Fällt mir schwer etwas einmal Zugesagtes wieder abzusagen, aber ist wohl das einzige was Sinn ergibt. Das Schlimme ist, dass mich das so sehr an das letzte Mal erinnert. Da habe ich auch ein Treffen erst zugesagt und dann wieder abgesagt. Ich will den Scheiß nicht wiederholen! Ich will mich meinem eigenen Leben hingeben. Das letzte Mal bin ich (wie du ja schreibst) wieder raus gekommen. Aber wie? Um welchen Preis? Das darf und wird mir nicht noch einmal passieren!
Ich denke, dass ich ihm jetzt noch einmal was Längeres schreiben werde, in dem ich mich erkläre (wieso ich ihn doch nicht besuche und den Kontakt vorrübergehend abbreche). Wo ich ihm endlich auch meine eindeutige Ablehnung, aber auch meine Hilflosigkeit angesichts seiner Pläne eingestehe. Das habe ich bisher nicht so eindeutig getan.
Das mit dem Wiederholungszwang ist sehr interessant. Denn er wiederholt es tatsächlich sehr ähnlich wie das letzte Mal... Das würde aber auch heißen, dass er sich eher nicht umbringt- Obwohl ich das letzlich nicht wissen kann. Liegt so oder so nicht in meiner Macht.
Aber das würde das erklären, wieso er trotz guter Umstände damit wieder anfängt. Ich hatte eher an Depressionen gedacht, die immer wieder kommen.
Das Momo
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01.03.2010 03:08 |
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roteGräfin

Gesperrter User
Dabei seit: 30.01.2010
Herkunft: NRW
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| Zitat: |
Original von Das Momo
Eventuelle Vorwürfe hinterher könnten sein, dass ich es hätte verhindern können. Und davor habe ich wahnsinnige Angst. |
Hallo Momo,
wer würde Dir da Vorwürfe machen? Du selbst oder andere?
Der Tod hat nicht das letzte Wort. Ich habe durch den Selbstmord meines Bruders gelernt immer genauer hinzu schauen wie und wodurch wir uns heute gegenseitig so ins Unglück stürzen, dass uns die Lust am Leben zubleiben ganz einfach verloren geht.
Eine Form davon sind Selbstvorwürfe und Fremdvorwürfe. Eine ganz üble Seuche, die ein Unglück bis in die Unendlichkeit vergrößert.
| Zitat: |
| Ihn zu besuchen ist vermutlich wirklich eine schlechte Idee. Die schon bestellten Theaterkarten muss er dann irgendwie anders los werden. Fällt mir schwer etwas einmal Zugesagtes wieder abzusagen, aber ist wohl das einzige was Sinn ergibt. Das Schlimme ist, dass mich das so sehr an das letzte Mal erinnert. Da habe ich auch ein Treffen erst zugesagt und dann wieder abgesagt. Ich will den Scheiß nicht wiederholen! Ich will mich meinem eigenen Leben hingeben. Das letzte Mal bin ich (wie du ja schreibst) wieder raus gekommen. Aber wie? Um welchen Preis? Das darf und wird mir nicht noch einmal passieren! |
In der Wiederholung bist Du schon längst ein Teil davon. Überprüf Dich selber, wie wichtig Dir das Leben dieses Menschen ist und welchen Nutzen Du davon hast ihn vom Freitod abzuhalten?
| Zitat: |
| Wo ich ihm endlich auch meine eindeutige Ablehnung, aber auch meine Hilflosigkeit angesichts seiner Pläne eingestehe. Das habe ich bisher nicht so eindeutig getan. |
Benenne auch Deine Angst, wenn Du immer wieder von seinen Plänen hörst und mach ihm klar, dass Du selber gerne lebst und in Frieden leben möchtest. Du hast und kannst auch nicht die Verantwortung für sein Leben mit übernehmen.
| Zitat: |
| Das mit dem Wiederholungszwang ist sehr interessant. Denn er wiederholt es tatsächlich sehr ähnlich wie das letzte Mal... Das würde aber auch heißen, dass er sich eher nicht umbringt- Obwohl ich das letzlich nicht wissen kann. Liegt so oder so nicht in meiner Macht. Aber das würde das erklären, wieso er trotz guter Umstände damit wieder anfängt. Ich hatte eher an Depressionen gedacht, die immer wieder kommen. Das Momo |
Vermutlich sind es Depressionen, aber egal wie man das Kind auch nennt. Es besteht Handlungsbedarf und die notwendige klare Haltung für das Leben.
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
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01.03.2010 18:54 |
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Das Momo
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Dabei seit: 24.02.2010
Themenstarter
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Liebe Gräfin,
Danke noch mal!
Meine nächsten Schritte werden sein, dass ich ihm einen Text schreibe, in dem ich mich erkläre. Indem ich für eine bestimmte Zeit den kontakt abbreche. Wo ich eigentlich das ausdrücke, was ich schon beschrieben habe. auch meine Angst und das alles.
dann werde ich nocheinmal kontakt zu einer beratungsstelle aufnehmen, vll können die mir auch nochmal tipps geben. Ich würde ihm gerne auch eine positive botschaft vermitteln, oder auch möglichkeiten aufzeigen, die er ergreifen kann.
ich hoffe, dass ich so aussteigen kann. denn egal wie wichtig mir mein kumpel ist, wenn ich sein spiel mitspiele ist niemandem geholfen.
DEnnoch ällt mir das unglaublich schwer. es wird ihm sehr weh tun.
Momo
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01.03.2010 23:37 |
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roteGräfin

Gesperrter User
Dabei seit: 30.01.2010
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| Zitat: |
Original von Das Momo
DEnnoch ällt mir das unglaublich schwer. es wird ihm sehr weh tun.
Momo |
Hallo Momo
und genau diese Einsicht ist Deine Fallgrube. Hier verwechselst Du vermutlich Dich selber mit ihm.
Ja es wird ihm wehtun und dieser Schmerz ist zu überleben, für Dich wie für ihn. Das zu wissen, das seelischer Schmerz überlebbar ist und eben auszuhalten ist die Chance für eine glückliche Zukunft.
Alles Gute rg
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
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02.03.2010 09:54 |
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Das Momo
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Dabei seit: 24.02.2010
Themenstarter
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Hallo liebe Gräfin und alle anderen, die das hier evtl. lesen,
jetzt war ich ein paar Tage weg und habe Urlaub gemacht, deswegen habe ich hier nicht mehr geantwortet.
Gestern abend habe ich ihn angerufen und ihm alles gesagt was ich ihm sagen wollte. Dass ich seine Pläne nicht unterstütze, dass ich ihn nicht besuchen werde, weil das gerade die falschen Voraussetzungen dafür sind. Dass ich glaube, dass Leben ganz schön toll und wunderbar sein kann und dass auch sein Leben wunderbar sein kann. Dass er aber jetzt gerade Hilfe braucht und dass ich ihn unterstützen werde, wenn er sich welche sucht. Und dass es mich wütend macht, dass ich auf der Arbeit (Rettungsdienst) fast täglich Leute sehe, die leben wollen, aber nicht dürfen und dass er sein Leben einfach so wegwerfen will. Und noch viel mehr...
Jetzt sitzt er iner Geschlossenen. Ich weiß nicht genau wie es kam. Er ist wohl zum Psychologen gegangen, der das veranlasst haben muss. <geht ihm gerade ganz gut. Mal schauen wie sich das weiter entwickelt.
War für mich immer eher ne Horrorvorstellung. Aber kommt bestimmt auf die Klinik drauf an.
Bin ein wenig irritiert und verwirrt. Der nächste Morgen wird mehr Klarheit bringen.
Gruß, Momo
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08.03.2010 00:13 |
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roteGräfin

Gesperrter User
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Eine geschlossene Abteilung ist im besten Fall eine Erfahrung, kämpfen zu lernen und Leidensgenossen kennen zu lernen.
Im schlechtesten Fall den Stempel verrückt für alle und ewige Zeiten auf die Stirn aufgedrückt zu bekommen. Aber auch das kann sich eben jeder zu nutze machen und erklären, Na gut dann bin ich eben verrückt, na und?
In jedem Fall ist ihm jetzt erst einmal die freie Entscheidung genommen worden mit seinem Leben das anzustellen was er will. Also ein klare Entscheidung für das Leben. Das ist wichtig. Bei einem Suizidgefährdeten ist diese Botschaft ersgt einmal wichtig.
Ich selber bin hilflos und kann Dir nicht helfen und ich will das Du lebst.
Nimm also für Dich die Hilfe an, dass Dir da eine Überverantwortung abgenommen wird und glaub ganz einfach, dass alles gut wird und jetzt auch ist.
Ich hoffe Dein Urlaub war schön.
Alles Liebe rg
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
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08.03.2010 08:21 |
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Das Momo
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Themenstarter
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Moin,
ich fühle mich dafür verantwortlich, dass er dort jetzt gelandet ist. Vermutlich ist es falsch das zu denken... Aber kurz nach meinem Anruf war er beim Psychologen und kurz danach in der Klinik. Ich habe Sorge, dass dort jetzt alles schlechter wird.
Positiv ist, dass mir (wie du schon schreibst) die Verantwortung abgenommen wurde (die ich eigentlich auch nicht haben sollte). Man muss jetzt wohl abwarten wie sich das entwickelt.
Ich würde ihn dort gerne besuchen, aber das schaffe ich wahrscheinlich beruflich nicht. Wäre eine längere Fahrt und ich muss viel arbeiten und mein Freund will mich auch nochmal zu Gesicht bekommen.
Trotzdem kann ich nicht glauben, dass alles gut wird. Ich hoffe das, aber bin angesichts einer geschlossenen Abteilung skeptisch. Freunde die dort waren, haben es nicht gerade genossen...
Urlaub war super toll!!!
Momo
Edit: Habe eben mit ihm telefoniert. Er hat wohl einem Kumpel versprochen, dass er sich meldet, wenn er sich umbringen will. Das muss er nach unserem Gespräch dann auch getan haben und dann stand 10 min. später die Polizei bei ihm vor der Tür. Dort gehts ihm ganz gut soweit, bisheriger Plan ist, dass er bis Samstag bleibt.
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Das Momo: 08.03.2010 16:49.
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08.03.2010 16:36 |
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roteGräfin

Gesperrter User
Dabei seit: 30.01.2010
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| [quote]Original von Das Momo Moin, ich fühle mich dafür verantwortlich, dass er dort jetzt gelandet ist. Vermutlich ist es falsch das zu denken... Aber kurz nach meinem Anruf war er beim Psychologen und kurz danach in der Klinik. Ich habe Sorge, dass dort jetzt alles schlechter wird. |
Das ist lobenswert, wie viel Verantwortung Du auf Dich nimmst, hilft aber weder ihm noch Dir. Deine Sorge, das alles schlechter wird wirf auf Gott oder eine höhere Macht was immer Du darunter verstehst. Du kannst aber auch Deiner Sorge auf den Grund gehen und einmal nachforschen, warum Du glaubst, dass jetzt alles schlechter wird?
| Zitat: |
| Trotzdem kann ich nicht glauben, dass alles gut wird. Ich hoffe das, aber bin angesichts einer geschlossenen Abteilung skeptisch. Freunde die dort waren, haben es nicht gerade genossen... |
Ein Krankenhausaufenthalt ist ein Krankenhausaufenthalt und meistens geht man dahin, weil man selber nicht mehr kann. Die Gefahr in der Psychiatrie noch verrückter gemacht zu werden als man so schon ist, ist einfach gegeben. Aber wer lernen will das Leben als eine Herausforderung anzunehmen der kann auch daraus seine positiven Folgerungen ziehen.
| Zitat: |
| Edit: Habe eben mit ihm telefoniert. Er hat wohl einem Kumpel versprochen, dass er sich meldet, wenn er sich umbringen will. Das muss er nach unserem Gespräch dann auch getan haben und dann stand 10 min. später die Polizei bei ihm vor der Tür. Dort gehts ihm ganz gut soweit, bisheriger Plan ist, dass er bis Samstag bleibt. |
Das ist doch einmal eine sehr gute Nachricht. Er hat selber dafür gesorgt,
dass er Hilfe bekommt, wenn er sich nicht mehr trauen kann. Sein Wille zu überleben ist also da und Du bist vollkommen aus der Verantwortung entlassen. Kümmer Dich um Deinen Beruf und Deinen Freund und schütze Dich vor solch weiteren emotionalen Verstrickungen.
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von roteGräfin: 08.03.2010 23:20.
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08.03.2010 23:19 |
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Das Momo
Mitglied
 
Dabei seit: 24.02.2010
Themenstarter
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Ich versuche das...
Morgen gehe ich wandern, dann kriege ich vielleicht den Kopf frei.
Vielen Dank, für die hilfreichen Antworten.
Sich da nicht mit reinziehen zu lassen ist wirklich schwierig, denn immerhin ist es ein guter Freund von mir. Wie schützt man sich vor emotionalen Verstrickungen ohne jeglichen Kontakt zu Menschen abzubrechen? Aber ich arbeite dran mich nicht zu sehr verstricken zu lassen.
Letzlich kann ich nur abwarten was passiert und mein Leben leben. Vielleicht suche ich mir nochmal ne Beratungsstelle, vielleicht kriege ich das Ganze auch so auf die Reihe.
Lieben Gruß, Momo
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09.03.2010 00:00 |
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roteGräfin

Gesperrter User
Dabei seit: 30.01.2010
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| Zitat: |
Original von Das Momo
Ich versuche das...
Morgen gehe ich wandern, dann kriege ich vielleicht den Kopf frei.
Vielen Dank, für die hilfreichen Antworten.
Sich da nicht mit reinziehen zu lassen ist wirklich schwierig, denn immerhin ist es ein guter Freund von mir. Wie schützt man sich vor emotionalen Verstrickungen ohne jeglichen Kontakt zu Menschen abzubrechen? Aber ich arbeite dran mich nicht zu sehr verstricken zu lassen.
[QUOTE]Letzlich kann ich nur abwarten was passiert und mein Leben leben. Vielleicht suche ich mir nochmal ne Beratungsstelle, vielleicht kriege ich das Ganze auch so auf die Reihe. Lieben Gruß, Momo |
Hallo Momo,
Das ist in der Tat nicht leicht vor allen Dingen, wenn Du ein sehr verantwortlicher und liebevoller Mensch bist. Aber lies noch einmal Momo, die holte die verlorene Zeit zurück. Hörte zu, dass sich die Konflikte lösen konnte und wunderbar ist auch Peppo der Straßenkehrer, der sich nicht entmutigen läßt dadurch, dass er die ganze lange Straße sieht, die er kehren muss, sondern nur Strich für Strich tut. Sich selber bei dem langsamen und aufmerksamen Tun noch Liebe zu schenken und der Straße dazu und alles was geschieht als gut oder als eine Herausforderung anzusehen, die gerade jetzt Dir und keinem andern auffällt und anzunehmen ist einfach nur das Geheimnis des Lebens.
Dabei ist und bleibt wichtig für jeden immer wieder wahrzunehmen, dass das was mich besonders in Anspruch nimmt auch immer etwas mit mir zu tun hat. Zu wünschen, das jemand weiterlebt, der sterben möchte ist ein ganz natürlicher, gesunder und mütterlicher Wunsch. Den anderen in seinem Wunsch sterben zu lassen, frei zu lassen ist eine zusätzliche und scheinbar erst einmal unmögliche Aufgabe. Aber sich klar zu machen, das täglich Leute und vor allen Dingen Kinder an Hunger und durch unsinnige Kriegshandlungen sterben, scheint mir eine gute Hilfe zu sein, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und zu erkennen, das es bis jetzt nach jedem Krieg immer noch irgendwie weiter gegangen ist.
Wenn Du im Rettungsdienst tätig bist, kannst Du Dir auch nicht den Luxus leisten, gefühlsmäßig mit denen, die Du retten willst und musst mit zu leiden. Dann hast Du keine Kraft und keine Möglichkeit wirklich aus der Not zu retten. Dabei kommen dann vermutlich Deine Gefühle etwas zu kurz und das Erlebte wird nicht richtig verarbeitet.
Selber im sozialen Beruf gewesen braucht man dann ab und zu ein Ventil, alles Elend, was sich so im Laufe der Arbeit angesammelt hat heraus zu schreien um nicht in dem Sumpf von Elend und Not zu ersticken. Da hilft nur immer wieder sich auch klar zu machen, wie viel gute Dienste Du schon leistest und einen ganz gesunden Stolz für die eigene Leistung zu entwickeln. Mit allem auf und ab was das Leben so liefert.
Alles Gute und mach weiter so mit den nötigen Pausen dazwischen. Du machst es schon gut und deswegen wird auch alles Gut rg
__________________ Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von roteGräfin: 09.03.2010 09:31.
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09.03.2010 09:27 |
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